Sieg in der neuen Heimat

Nachdem ich beim Eröffnungswettkampf der 1. Bundesliga im Kraichgau vor zwei Wochen alles andere als gut abgeschnitten habe und in keiner einzigen Disziplin mein Leistungspotential abrufen konnte, was nicht sehr oft passiert, da meist wenigstens eine der drei Disziplinen gut geht, war ich trotzdem nicht großartig demotiviert, sondern freute mich umso mehr auf den diesjährigen Rothsee Triathlon und sah ihn eher als Gelegenheit an dort endlich mal wieder zu zeigen, was ich wirklich drauf habe.

 

Die Entscheidung dort zu starten fiel mehr oder weniger nur einen guten Monat vorher, als unser Swimcoach Michi das Preisgeld erwähnte und sowas lockt einen notorisch klammen Studenten dann doch. Dass der Rothsee Triathlon eine Olympische Distanz und auch noch mit Windschattenverbot versehen ist, waren nur noch weitere Gründe für mich, zu melden und dafür das Zeitfahrrad meines Vaters auszuleihen.

 

Das letzte mal, als ich auf dem Zeitfahrrad saß, war 2015 bei der Olympischen Distanz des Mondsee Triathlons (sehr schöne Veranstaltung in Österreich, die es leider nicht mehr gibt). Dementsprechend ungewohnt waren die ersten paar Kilometer in der aggressiven Position, aber ich hatte ja noch ganze 10 Tage, um mich daran zu gewöhnen ;)

 

Allerdings stellte ich in der ersten Einheit auf dem Rad gleich zwei Strava-KOMs auf, was schonmal signalisierte, dass ich vielleicht gar nicht so lange zur Gewöhnung brauche.

 

Insgesamt saß ich dann noch weitere fünf mal auf dem Zeitfahrrad und war bestens vorbereitet. Da Windschattenverbot und Olympische Distanz im Moment genau mein Ding ist, ging ich sehr selbstbewusst ins Rennen und nahm mir auch nichts anderes vor, als zu gewinnen. Ein Blick auf die Starterliste verriet mir aber, dass es keineswegs ein Kinderspiel wird: Der Vorjahressieger Sebastian Neef hatte eine der schnellsten Radzeiten bei der Challenge in Samorin vor ein paar Wochen, daneben hatten noch mehrere andere bekannt schnelle Radfahrer gemeldet.

 

Das Training in allen drei Disziplinen verlief einwandfrei, aber ich frage mich immer wieder bei Radintervallen um die 360 Watt spätestens so nach vier oder fünf Minuten wie Lionel Sanders das bitte für 90km durchdrücken kann. Also auch wenn ich von mir selber sagen kann, dass ich eigentlich ein ganz guter Radfahrer bin, ist da hoffentlich immer noch deutlich Luft nach oben und daran gilt es in den nächsten Jahren natürlich zu arbeiten.

 

Dann war es endlich so weit und der Wettkampftag stand an. Gemeinsam mit meiner Freundin und meinem Trainings- und Mannschaftskollegen David Hanko o aus Ungarn, die beide bei mir einquartiert waren, ging es um halb 7 in der Früh in Richtung Rothsee. Eigentlich wollte meine Freundin Zsanna am Tag davor bei der Sprintdistanz starten, da dort aber schon alles voll war, während es für die Olympische Distanz noch freie Plätze gab, entschied sie sich spontan dazu kurzfristig am nächsten Tag ihre allererste Olympische Distanz zu starten.

 

Am Rothsee angekommen, nahm Zsanna ein Zeitfahrrad von meiner Mutter in Empfang (meine Eltern waren zum Supporten vom Chiemsee angereist). Nach Einstellen der Sattelhöhe auf Zsanna brachten wir gleich unsere Räder, Wettkampflaufschuhe und was man halt sonst noch für die zweite und dritte Disziplin benötigt, in die Wechselzone. Einlaufen, einschwimmen, die Vorstartroutine ist eigentlich bei jedem Wettkampf dieselbe und dann war es schon so weit und ich stand an der Startlinie bei meiner ersten Teilnahme am traditionellen Rothsee Triathlon. Aufgrund der heißen letzten Woche betrug die Wassertemperatur knapp 24°C, d.h. es war Neoverbot.

 

Dann wurde von zehn runter gezählt und da ich am Tag davor schon den Start der 2. Bundesliga angeschaut habe, wusste ich dass der Startschuss wahrscheinlich bereits früher als erst nach eins kommen würde und so war es auch,bei drei fiel der Startschuss und die erste von 10 Startgruppen mit je knapp 150 Athleten stürzte sich in den Rothsee.

 

Wenn man die Ergebnisse der Bundesliga Wettkämpfe anschaut und meine Splitzeiten sieht, sieht man, dass meine Schwäche eindeutig das Schwimmen ist oder zu sein scheint. Aber ganz so stimmt das nicht. Sicher fehlen mir im Schwimmen noch einige Sekunden an die Spitze und Sekunden sind in der Bundesliga schon eine große Zeiteinheit. Ich denke aber, dass meine größte Schwäche das „Prügeln“ und das  sich Durchsetzen im Freiwasser ist. Lieber schwimme ich oftmals weit um die Boje, als mich innen zu prügeln, obwohl ich genau weiß, dass man mit so einer konfliktscheuen Taktik oft mehr Zeit verliert. Natürlich eine weitere Sache, an der noch viel gearbeitet werden muss.

 

Bei den Wettkämpfen wie Rothsee ist die Leistungsdichte im Schwimmen nicht ganz so hoch, sprich sittsamerer Umgang der Athleten untereinander, weniger „Geprügel“ und dazu war ich rein von der Papierform her (=Beckenzeiten) hier auch noch einer der besten Schwimmer im Feld: so kam ich gleich weg ohne jeglichen Kontakt und schwamm als erster um die erste Boje nach circa 400m. Nach der ersten Boje begann ich mich erst so richtig wohl zu fühlen, da ich eben alleine den Führungskajaks hinterher schwamm, und konnte noch einen draufsetzen und eine Lücke zu meinen Mitstreitern reißen. Für den Rest der 1500m Schwimmstrecke fand ich einen guten Rhythmus zwischen schnellem Tempo und nicht zu anstrengend. So stieg ich als erster nach 19:13min aus dem Wasser und meine Verfolger dann gut 10s nach mir.

 

Jetzt ging es aufs Zeitfahrrad und eine 42,5km lange Radrunde mit knapp 400 Höhenmetern lag vor uns. Ich hatte leider keine Gelegenheit die Runde vorher mal abzufahren und im Nachhinein kann ich sagen, dass es ein Vorteil gewesen wäre, denn ich habe für einige Kurven abgebremst, für die man nicht unbedingt hätte bremsen müssen, andererseits bin ich dafür einfach in jeden Berg voll reingefahren und teilweise mit über 400 Watt hochgefahren, was ich vielleicht nicht gemacht, wenn ich die Strecke gekannt hätte.

 

Zu Beginn der Radrunde ging es erstmal kurvig durch Hilpoltstein durch und als ich aus der Ortschaft rausfuhr wagte ich mal einen Blick hinter mich, aber konnte keinen meiner Konkurrenten sehen. Meine Beine waren zu dem Zeitpunkt leider nicht die Besten, aber ein paar Schlücke aus meiner Gelflasche halfen mir und nach circa 10km wurden die hohen Wattzahlen zunehmend erträglicher. Dann begann es richtig Spaß zu machen, ich hatte genau das Feeling, welches ich in der Bundesliga noch nie hatte, aber hoffentlich mal haben werde. Das Kameramotorrad vom Bayerischen Rundfunk, welches zeitweise neben mir fuhr, motivierte mich noch extra. Nach circa der Hälfte der Radstrecke kam noch immer kein Sebastian Neef von hinten und da hatte ich dann erstmalig das Gefühl, dass das heute auch nicht mehr passieren wird.

 

Dann wurden allerdings die Beine schon langsam schwerer und auch der Rücken spürte die doch noch ungewohnte Zeitfahrposition. Im letzten Viertel der Radstrecke war ich dann froh über jeden Hügel, den ich im Wiegetritt hochfahren konnte, um meinen Rücken zu erholen. So circa 10km vor dem Radziel war plötzlich eine Kolonne von circa fünf Autos vor mir auf der Radstrecke, weil die dortigen Streckenposten wohl etwas später erst mit dem ersten Radler und definitivem Beginn der Vollsperrung gerechnet hatten. Wäre kein Problem gewesen, wenn es nicht bergab gegangen wäre, so wurde ich kurzfristig ordentlich ausgebremst und habe versucht möglichst ohne Seklbstgefährdung an den Autos vorbeizufahren, welche nicht auf die Seite wichen. Gott sei Dank ging die Radstrecke dann nach links weg, so dass ich nicht noch mehr Zeit verlor.

 

Die letzten paar Kilometer fuhr ich dann etwas „entspannter“, um mich vor allem mental auf den abschließenden 10km Lauf vorzubereiten. Meine Radzeit betrug letztlich 59:35min, also knapp ein 43er Schnitt. Als ich die Wechselzone als Führender erreichte, war ich überwältigt von der Stimmung und den Zurufen. Eine derartige Kulisse ist bei Bundesligarennen ebenso wie Europacup oder sonstige Rennen mit Windschattenfreigabe, bei denen meist nur die Betreuer an der Strecke stehen, leider eine Seltenheit. Dementsprechend motiviert startete ich auch die 10 Laufkilometer.

Wer sich für Datensalat interessiert, der findet hier auf Strava die Leistungs-, GPS-, und Geschwindigkeitsdaten des Radfahrens.

 

Tatsächlich waren vom Gefühl her meine Laufbeine sogar noch besser, als meine Radbeine und ich konnte ein sehr zügiges Tempo laufen. Es waren zwei Runden zu absolvieren und auch die Laufstrecke hatte insgesamt knapp 100 Höhenmeter. Bevor man einen kleinen Abstecher vom Rothsee zum Rhein-Main-Donau-Kanal machte, ging es noch um einen Wendepunkt, wo ich dann das erste mal den Abstand zu meinen Konkurrenten sehen konnte und der war groß, zwar wusste ich ihn nicht in Minuten, aber zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass ich gewinnen würde, denn meine Laufbeine waren zu gut. Im direkten Duell hätte ich sicher noch was drauflegen können, so lief ich erstmal mein Tempo weiter.

 

Nach der ersten Laufrunde hörte ich dann ein paar mal „4 Minuten“ vom Streckenrand. Tempo rausnehmen wollte ich aber auch nicht, dafür bin ich nicht der Typ. Wenn Wettkampf, dann muss es hart sein von Anfang bis Ende. Also nahm ich auch nochmal ein Gel und lief auch die zweite Laufrunde zügig weiter, aber genoss auch die Stimmung und Zurufe vom Streckenrand. Nach dem Wendepunkt sah ich dann, dass der Vorsprung sogar nochmal gewachsen ist.

 

Einen Kilometer vor dem Ziel war ich dann froh, dass es bald vorbei ist, denn meine Beine wurden richtig schwer. Dann lief ich endlich dem Ziel entgegen und konnte es richtig genießen. Das war schon ein sehr besonderes Gefühl und nach unter anderem Chris Mccormack, Thomas Hellriegel, Andreas Dreitz und meiner Mutter vor 16 Jahren, stehe auch ich ab jetzt auf der Siegerliste des Rothsee Triathlons und stellte, wie ich später erfahren habe, mit 1:53:17h sogar einen neuen Streckenrekord auf! Es hatte sich also gelohnt bis zum Ende durchzuziehen.

 

Herzlichen Glückwunsch an Sebastian Neef und den Lokalmatadoren Felix Weiß, die das Podium komplettierten und mir bei der Siegerehrung eine ordentliche Bierdusche verpassten (In Franken macht man die Bierdusche übrigens nicht mit Alkoholfreiem Weißbier oder 0,0%-Pils, sondern mit echtem alkoholhaltigem Bier aus Dreiliter-Gläsern! :D) Ergebnisse findet ihr hier.

 

Das Triathlon hier in Franken einen ganz anderen Stellenwert hat, bekam ich nicht nur von der Stimmung an der Strecke zu spüren, sondern wurde im Ziel regelrecht von Reportern überwältigt und sogar nach einem Autogramm wurde ich gefragt ;) Umso glücklicher war ich, dass auch Zsanna ein super Rennen hatte und zweiter in ihrer Altersklasse wurde. Glückwunsch auch an meine Trainingskollegin Michelle Braun, die ohne Zeitfahrrad hinter der Hawaii Vierten Anja Beranek Zweite der Gesamtdamenwertung wurde.

 

Danke an alle für die Glückwünsche! Jetzt habe ich auf jeden Fall extrem viel Motivation für die kommenden Trainingswochen und Wettkämpfe getankt. Es war eine super Veranstaltung und ich werde sicher nächstes Jahr wiederkommen und versuchen, meinen Titel zu verteidigen. 

 

Jetzt gibt es erstmal etwas Erholung bevor ich diesen Freitag in Neustadt an der Waldnaab bei einem gut besetzten 3000m Bahnwettkampf starten werde. Der nächste Triathlon wird dann wohl das Heimrennen in Grassau am 15.07. sein und eine Woche später stehe ich bei meinem ersten Elite-Weltcup in Tiszaujvaros in Ungarn an der Startlinie :)

 

Bis dahin

LG Frederic

 

PS: die offizielle Ergebnisliste gibt's hier

 

PPS: Das Presseecho zum Rothsee Triathlon (ich muss zugeben, dass ich es zwar genieße, aber "Geschichte" habe ich mit meinem Sieg jetzt glaube ich nicht geschrieben :D), da muss man schon noch andere Rennen gewinnen :

 

 

Videobericht des BR

 

TRITIME

 

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