Das Tagebuch des verheimlichten Triathlon-Bruders - Teil 12

"Triathlon" und Kokowääh

Es gibt Momente in einer Wettkampfvorbereitung, da spürt man, das man am Boden angelangt ist. Ich habe zum ersten Mal dieses Gefühl gehabt. Es war der Donnerstag- genau 100 Tage vor Roth!
FÜNF Tage lagen hinter mir ohne eine einzige Trainingseinheit. So weit so schlecht. Neben dieser traurigen Erkenntnis, hatte ich auch mehrmals gegen meine wichtigste Regel verstoßen: Kein Sport - keine Sünde (Süßigkeit, Alkohol). Letzteres ließ mich fast noch mehr deprimieren. Denn natürlich gab es einen Grund, weshalb der Sport tagelang zweitrangig war. Nach meiner bisher besten Trainingswoche (Siehe Teil 11!) folgte eine mäßige aber für mich noch akzeptable Woche mit 3,5 Einheiten (bis Sa.). An besagten Samstag machte ich dann erstmals eine längere Laufeinheit (16,5 km/4.55 Min) und siehe da: Einen Tag später hatte mich der erste grippale Infekt im Jahr 2012 erwischt. Na super...


"Sportler" und Krankheit ist ja eine Geschichte/Blog für sich selber. Wenn man trainieren will, aber nicht kann bzw. sich davon abhält, weil man sonst vielleicht noch länger ausfallen würde, steigt natürlich die Laune ins Unermessliche. Noch dazu in einer Wettkampfvorbereitung, die bei mir ja eh kurz und dürftig ausfällt.
In diesen deprimierenden Tagen ohne sportliche Betätigung, wurde ich (natürlich) schwach. Statt sich im Essen erst recht zurückzunehmen, führte die depressive Stimmmung zu kalorienhaltigem Frustabbau. Nein, ich bin keine Frau! Aber kurz davor, dazu gleich mehr...
Naja, was soll ich sagen: In der letzten Woche entwickelte ich meinen eigenen "Triathlon": Nach der Einnahme meiner geliebten Aspirin Complex folgten (nach schlechter Wechselzeit) drei Balistos während der Champions League-Übertragung. Und einen Tag später (also ein sehr langer Wechsel) ging ich über, ein Bier zu trinken: Ein leckeren, naturtrüben Gerstensaft in einem wunderschönen und warmen Biergarten zu Aschaffenburg. Die Momente des Genusses waren schön, um nicht zu sagen lecker - doch das wirklich dicke Ende kam am nächsten Nachmittag vor dem TV...
Ich kann Eure Fragezeichen förmlich spüren. Was zum Henker hat der selbst für Til Schweigers Verhältnisse extrem dünne Kinofilm "Kokowääh" in diesem Blog verloren. Das will ich Euch sagen und da wären wir dann auch beim "dicken Ende" meiner Horrorwoche:
Am Donnerstag fühlte ich mich wieder deutlich gesünder und wusste: Jetzt muss ich wieder Sport machen! Also zog ich mir meine Laufsachen an, nein um genau zu sagen: Ich zog sie mir halb (!) an. Kein Scherz: Mit einer halb heraufgezogenen Laufhose schaute ich mir an der Sofakante sitzend zum zweiten (!) Mal auf Sky Kokowääh an. Die Handlung ist bei einem Schweiger-Film wie immer schnell erzählt: Til spielt auch diesmal sich selber, einen Frauenhelden und vermeintlichen Lebemann-Single, der überraschend erfährt, dass er Vater einer achtjährigen Tochter ist. Er muss auf sie aufpassen, überdenkt sein Leben und merkt dabei, dass er trotz großer Talente sein Leben eigentlich wegwirft. Das Kind verändert ihn und am Ende ist alles gut, schön und vor allem weich gezeichnet. Ein echtes Happy-End! Noch einmal: Ich kannte den Film schon, ich wusste, was passiert und wie er ausgeht. Trotzdem saß ich da auf dem Sofa mit halb herunter gelassener Laufhose (nicht was Ihr jetzt gerade denkt!!-)) und verfolgte gebannt diesen gaaanz dünnen Schweiger-Film.
Und das nicht nur nach dem Motto "Alles ist schöner als trainieren", sondern weil ich tatsächlich einen tieferen Sinn plötzlich in diesem Film sah - und zwar für mich! Ich weiß, dass ich nach dem letzten Satz alle intelligenten Menschen unter Euch verloren habe. Denn die Verbindung tieferer Sinn UND Til Schweiger gleicht der Kombination FDP und absolute Mehrheit. Trotzdem verfolgte ich melancholisch diesen Film. Beruflich wie sportlich habe ich den Eindruck, dass ich es mir viel zu oft und zu schnell bequem mache, aus lauter Angst vor Veränderungen immer nur den gewohnten, längst beschrittenen Weg gehe. Und dadurch extrem viel Talent einfach wegschmeisse. Ich denke mir manchmal, dass viel Potential verloren geht, weil ich aus meinem Wohlfühlbereich nicht mehr herauskomme. Dass ich Prioritäten falsch oder ungenügend setze und ich trotz der allgemeinen Zufriedenheit doch irgendwie auch unzufrieden bin.
Kein Scherz: All das sah ich für mich in "Kokowääh" heraus. Einen Film, der natürlich ganz andere, nämlich gar keine Aussagekraft besitzt. Wenigstens bin ich nach dem Happy-End doch noch Laufen (12 km- 4,45 min.) gegangen, sogar relativ motiviert. Mit dem festen Willen mein Leben/mein Training wieder härter anzupacken. Mal schauen, wann ich dann das nächste Mal für den "Aspirin-Complex-Balisto-Kellerbier-Naturtrüb" -Triathlon melde...
Leider nur noch 98 Tage...

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